Venezuela böse, Argentinien gut!

15. Januar 2026von 7,9 Minuten Lesezeit

Während Venezuela als Abgrund der Korruption und des Bösen dargestellt wird, erscheint Argentien auf dem Pfad des Lichts und der Hoffnung, dank dem hervorragenden Präsidenten Milei. So die vorherrschende Darstellung durch die Mehrheit von Politik und Medien. Was macht Argentinien so attraktiv?

Vielleicht liegt es daran, dass Argentinien still und heimlich verkauft wurde? In 21st Century beschreibt ein Artikel, wie unter Milei schnell und effektiv Argentinien nicht mehr den Argentiniern gehört. (Schauen Sie die Karten in der Originalnachricht, wenn sie eine Visualisierung suchen.)

Wir dürfen nicht vergessen, dass unendliche Vermögen existieren, welche lediglich als Zahlen, virtuell auf Konten erscheinen. Diese können mit einem Click gelöscht werden, wenn sie nicht in Sachwerte umgewandelt werden. Das führte bereits zu der Privatisierung viele staatlichen Aufgaben und vor allen Dingen Eigentumsverhältnissen. Von „dem Bürger dienen“ wurde gewinnmaximierte Aktivität, weil „Private können es besser“. Aber das geht zu langsam voran.

Wenn ein Land verscherbelt wird

„Es gibt einen Weg, wie ein Land verschwindet, ohne dass es jemand bemerkt. Nicht durch Sirenen, Panzer oder fremde Flaggen. Es geschieht still und leise, in Büros und Gerichtssälen, in Registern und Dekreten, durch Unterschriften, die es nie auf die Titelseite schaffen, und durch Zahlen, die so lange gemittelt werden, bis sie jede Bedeutung verlieren. Argentinien verschwindet auf diese Weise, von unten nach oben. Mehr als 13 Millionen Hektar argentinisches Land befinden sich mittlerweile in ausländischer Hand. Das ist keine Meinung. Das ist keine Rhetorik. Es ist das Ergebnis jahrelanger, akribischer Forschung des Landobservatoriums, eines Projekts der Universität Buenos Aires (UBA) und des CONICET, wo Historiker und Sozialwissenschaftler das getan haben, was der Staat zunehmend verweigert: genau untersucht, wem das Land gehört und wo.“

Wenn ein Land den Eigentümer wechselt

Der Artikel beschreibt, wie dreizehn Millionen Hektar, zwar „nur“ fünf Prozent des Landes, aber dessen wertvollsten Teile, und immer noch in der Größe Englands, stillschweigend den Eigentümer wechselten.

In ihrem jüngsten Bericht, enthülle die georeferenzierte Karte des Landobservatoriums eine Realität, die von der offiziellen Darstellung verschleiert wird, erklärt der Autor Freddie Ponton. Während die Regierung beteuere, keine Provinz überschreite die im Gesetz 26.737 festgelegte 15-Prozent-Grenze, zeigt eine genauere Betrachtung, dass in 36 Departements, darunter Lácar, Lamadrid, Molinos und San Carlos, das Gesetz bereits eindeutig verletzt wurde. Dort, so der Artikel weiter, liege der ausländische Besitz bei über 50 Prozent. Es handele sich dabei nicht um unbedeutende Gebiete, sondern um strategisch wichtige Regionen mit reichhaltigen Wasservorkommen, Bodenschätzen und logistischen Vorteilen. In Gebieten wie Iguazú, Berón de Astrada und entlang des Paraná-Flusses übersteige die ausländische Kontrolle 30 Prozent – ein direkter Einfluss auf lebenswichtige Infrastrukturen für Millionen von Argentiniern.

Die Geschichte des Ausverkaufs des Landes an das Ausland sei nicht neu. Sie reiche zurück bis in die 1990er Jahre, als das Innenministerium begann, Verkäufe in Grenzgebieten zuzulassen, die historisch für argentinische Staatsbürger geschützt waren. Damit wurde das Dekret 15.385 von 1944, das seither das Staatsgebiet geschützt hatte, verletzt oder umgangen. Der Boom der Lebensmittelpreise in den 2000er Jahren, gepaart mit einem schwachen Peso, machte fruchtbares und strategisch wichtiges Land für ausländisches Kapital unwiderstehlich. Am 29. Juni 2016 erließ die argentinische Regierung das Dekret 820/2016 (das Neue Dekret), das einige der zuvor gesetzlich festgelegten Beschränkungen für den Kauf und die Pacht von ländlichem Land durch ausländische Privatpersonen und juristische Personen lockerte. Dieser kumulative Prozess, so die Erklärung des Autors, habe 2011 zum Landgesetz geführt, einer rechtlichen „Brandmauer„, die, obwohl unvollkommen, zumindest den Abfluss von Land aus argentinischer Hand verlangsamte.

Doch unter Milei sei die Mauer noch durchlässiger geworden. Die Regierung Milei habe durch Dekrete, Budgetkürzungen und Gesetzesvorschläge systematisch das argentinische Rechtssystem untergraben, um transnationalen Konzernen zu dienen.

Patagonien brennt

Dann kommt die Rede auf Brände in Patagonien, die ihre eigene Geschichte erzählen. Im Januar 2026 verwüsteten Feuer den Nationalpark Los Alerces und Epuyén in Chubut, El Bolsón in Río Negro, den Nationalpark Lanín in Neuquén sowie weite Teile von Santa Cruz, wo Bergbaugebiete wie La Manchuria bedroht waren. Regierungsbeamte beschuldigen die Mapuche-Gemeinden der sogenannten RAM der Brandstiftung und bezeichnen sie kurzerhand als „Terroristen“. Doch diese Darstellung sei ein trügerischer Nebel. Lege man die Karten des Observatoriums über die Brandperimeter, offenbare sich ein beunruhigenderes Muster: Die wertvollsten, strategisch günstig gelegenen Gebiete, oft in ausländischem Besitz oder für Bergbau und die Erschließung fossiler Brennstoffe vorgesehen, brennen. Der Autor fragt, ob dies wirklich nur ein Zufall sei?

Er meint, dass zumindest kein Zufall sei, dass das Budget des Bundesfeuerwehrdienstes (SFMF) um 70 Prozent gekürzt wurde, was die Prävention, Erkennung und Eindämmung von Bränden massiv beeinträchtigt. Während die Flammen wüten, scheine die Fähigkeit des Staates, Land zu schützen, bewusst geschwächt worden zu sein. Die Folge sei eine strukturelle Verwundbarkeit, von der Rohstoffunternehmen und ausländische Akteure profitieren, während argentinische Gemeinden und Ökosysteme leiden.

Deregulierung

Unter Milei, so die weitere Erklärung, sei Deregulierung ein zentrales Anliegen. Ja ein zentrales Element der Regierungsführung, die bekannte Kettensäge. Vaca Muerta, die zweitgrößte Schieferformation der Welt mit geschätzten 308 Billionen Kubikfuß Gas und 16,2 Milliarden Barrel Öl, stünden im Mittelpunkt der Bemühungen, die Förderung fossiler Brennstoffe zu beschleunigen. Projekte in Neuquén, Río Negro, La Pampa und Mendoza, von Pipelines bis hin zu LNG-Exportanlagen, schreiten rasant voran und werden von Unternehmen wie TotalEnergies, Chevron und YPF realisiert. Auch Bergbauprojekte in Calcatreu (Río Negro) und La Manchuria (Santa Cruz) entwickeln sich ähnlich schnell.

Viele dieser Initiativen überschneiden sich genau mit Gebieten, die von den jüngsten Bränden betroffen waren.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass YPF und das israelische Unternehmen XtraLit zusammenarbeiten, um in Argentinien direkte Lithiumgewinnungsprojekte zu realisieren. Berichten zufolge sei Israel in einen Streit um ein 1,8 Milliarden Dollar teures Ölförderprojekt verwickelt, der zu einer diplomatischen Krise geführt habe. Bohraktivitäten seien laut Autor von einem britischen Explorationsunternehmen geplant. Rockhopper Exploration und Israel Navitas Petroleum sind auf den Falklandinseln aktiv. Das Energieunternehmen, das vom israelischen Geschäftsmann und ehemaligen israelischen Botschafter in Peru, Gideon Tadmor, kontrolliert wird, plant die Erschließung des Ölfelds Sea Lion, das als viertgrößtes unerschlossenes Ölvorkommen der Welt gilt. Die argentinische Regierung bezeichnet dieses Projekt als „einseitig und unrechtmäßig“. Beide Unternehmen wurden bereits formell sanktioniert, weil sie ohne Genehmigung auf dem argentinischen Festlandsockel operierten.

„Argentinien und Patagonien entwickeln sich zu einem Schlachtfeld um Ressourcen, ähnlich wie Venezuela, wo die USA unter Trump unter juristischen und ‚Sicherheits‘-Vorwänden Öl beschlagnahmten. Ausländisches Kapital und Rohstoffkonzerne beugen Gesetze und brennen wahrscheinlich Wälder nieder, um an Schiefer, Mineralien und Wasser zu gelangen. Das Muster ist eindeutig: Souveränität wird dem Profit geopfert, während die lokale Bevölkerung die ökologischen und sozialen Kosten trägt.

Unterdessen hat Milei Vorschläge zur Reform des Gletscherschutzgesetzes eingereicht, die die Genehmigungsbefugnis an die Provinzbehörden übertragen und die Wassereinzugsgebiete der Anden sowie die Periglazialzonen für die industrielle Nutzung öffnen sollen. Diese Gebiete sind nicht nur malerische Landschaften: Sie versorgen Millionen von Menschen mit Trinkwasser und bergen strategische Mineralien wie Lithium und Seltene Erden. Die rechtlichen und umweltbezogenen Schutzmaßnahmen, die den Abbau einst einschränkten, werden abgebaut.“

Die wertvollsten Gebiete

Der Autor weist darauf hin, dass die Karte des Land Observatory, basierend auf Antworten auf Anfragen aus öffentlichen Registern, Unternehmensdaten und Katasterarchiven, zeige, dass der Großteil der ausländischen Grundstücke von US-amerikanischen, italienischen und spanischen Interessen gehalten wird.

Allein die Vereinigten Staaten kontrollieren über 2,7 Millionen Hektar. Diese Besitzungen konzentrieren sich auf die wertvollsten Gebiete: fruchtbare Flusskorridore, grundwasserreiche Regionen und mineralienreiche Hügel.

In den nördlichen Departements, die von den nationalen Medien oft vernachlässigt werden, überschreitet ausländisches Eigentum die gesetzlichen Grenzen genauso deutlich wie in Patagonien. (Mehr dazu hier)

Der Autor meint, dass diese Entwicklungen nicht rein nationaler Natur seien. Die Isaac-Abkommen, die Energiediplomatie und der globale Wettbewerb um Ressourcen hätten Argentiniens Land, Wasser, Mineralien und Kohlenwasserstoffe zu strategischen Vermögenswerten im internationalen Kampf um Angebot und Kontrolle gemacht. Deregulierung und ausländische Eigentumsverschiebungen verwandelten das Land in einen Knotenpunkt der globalen Märkte, in dem die argentinische Souveränität geschwächt werde und die lokale Bevölkerung selten davon profitiere.

Diese Entwicklung finde in Echtzeit statt. Brände wüten in Wäldern, die Flüsse speisen, Schiefergasvorkommen werden zur Energiegewinnung abgebaut, und Gesetze zugunsten von Ausländern geändert. Argentinier, Bauern, Stadtbewohner und indigene Gemeinschaften müssten mit ansehen, wie Land, das einst der Gesellschaft gehörte, in den Besitz von Konzernen übergehe, während Regulierungs- und Brandschutzmechanismen abgeschafft werden.

Wer profitiert?

Der Artikel macht deutlich, dass sicherlich nicht die Menschen, deren Wasser, Boden und Wälder umverteilt werden, von der Entwicklung profitieren. Ihre Souveränität werde systematisch zerstört. Je länger das Land zulasse, dass Gesetze für ausländische Interessen instrumentalisiert werden, desto schwieriger werde es, das zurückzuerlangen, was rechtmäßig Gemeinschaftseigentum ist. Argentinien stehe an einem Scheideweg, und die Entscheidungen, die jetzt in Gerichtssälen, im Parlament und in der Regierung getroffen werden, bestimmen, wer dieses Land für kommende Generationen kontrolliert.

Bild: Screenshot vom gesprochenen Artikel

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7 Kommentare

  1. Jochen Mitschka 15. Januar 2026 um 19:29 Uhr - Antworten

    @Sabine Schönfelder
    Zu ihren Fragen:
    Chinas Tibet-Politik. Tatsächlich sind die Tibeter China dankbar, eingegriffen zu haben und die furchtbare Theokratie beendet zu haben (abgesehen davon, dass China schon viel länger den Anspruch auf Tibet aufrecht erhalten hatte). Es war eine Diktatur von Klöstern, mit Sklavenhaltung und furchtbarsten Körperstrafen, die ich mir hier erspare. Der werte Herr, der sich als angeblich buddhistische Wiedergeburt eines religiösen Führers von CIA-Gnaden übrigens, präsentiert, dessen Familie hatte selbst Sklavenhaltung. Der Widerstand gegen die Übernahme Chinas beruhte alleine auf Vertretern der „buddhistischen“ Elite, deren Privilegien verschwanden. Und die tatsächlich stattgefundenen Massaker wurden durch die ehemaligen Sklaven an ihren brutalen Herren vorgenommen, aber von chinesischen Soldaten beendet. In meinem Buch „Die Menschenrechtsindustrie im humanitären Angriffskrieg“ habe ich den Dalai Lama als ein Beispiel erklärt, wie Menschen aber so was von vollkommen in die Irre geführt werden.
    Nächste Frage: Denken Sie, daß es in China in Notzeiten nicht zum Zugriff des Staates kommen würde, in einem Land, das selbst Geburten regelte ?
    Was haben Geburtenregelung mit einem Rechtssystem zu tun? Wann hat China ausländisches Kapital beschlagnahmt, anders denn als Retourkutsche (falls überhaupt ein Fall bekannt ist). Und selbst im Inland werden Oligarchen, die sich zu sehr in die Politik einmischen zwar entmachtet, aber die Verstaatlichung wird mit Wertausgleich abgefunden. Beispiel ist einer der größten Pekinghasser, welche ein Textilunternehmen besaß, dass ihn mit quasi Sklavenarbeit reich gemacht hatte, der begonngen hatte, gegen die Regierung zu agitieren. Er wurde abgefunden, zog nach Hongkong und hatte dort mit dem Geld ein Medienimperium aufgebaut, mit dem einzigen Ziel, damit die Regierung in Peking zu bekämpfen.

    Ihre Bemekrung: Denke nicht einmal, daß man in China reich wird o h n e den Staat und man ihm dementsprechend verpflichtet ist…..DDR läßt grüßen…
    Peking unterstützt ganz gezielt Unternehmungen welche sich zum Wohle der Gesellschaft engagieren und innovative Ideen haben. Die Geschichte von Huawei ist ein Beispiel dafür. Ein ehemaliger Berufschullehrer (oder so ähnlich) hätte sicher nicht ein solches Imperium aufbauen können, und es wäre auch sicher nicht dazu gekommen, dass dieses Imperium allen Mitarbeitern gehört, wenn nicht der Staat im Hintergrund finanziell unterstützt hätte.

    Was die „Bewunderung“ angeht, sehen Sie das vollkommen falsch. Wenn ich China bewundern würde, hätte ich chinesisch gelernt und wäre nach China gezogen. China ist eine uralte Hochkultur und hat sich entsprechend der eigenen Geschichte und Kultur weiterentwickelt, zu einer Gesellschaft, welche das Beste für dieselbe leistet, und von dem überwiegenden Teil der Gesellschaft mit größter Zufriedenheit belohnt wird. Aber immer im Kontext mit der Geschichte und der Kultur. Meine Frau ist Asiatin, und ich kenne durchaus auch die dunklen Seiten der Kultur, welche für einen nach dem Krieg in Deutschland sozialisierten Menschen wie mir nicht so gefällt. Aber darauf kommt es eben nicht an.

    • Sabine Schoenfelder 15. Januar 2026 um 19:58 Uhr - Antworten

      Danke, für Ihre ausführliche Antwort und den Einblick in Ihre Gedankengänge.👍🏼

  2. Sabine Schoenfelder 15. Januar 2026 um 10:38 Uhr - Antworten

    Alles richtig und dennoch fehlt es mir an Ausgewogenheit. Was Sie Argentinien zu RECHT vorwerfen, bezeichnen Sie im Fall China als kluges strategisches Vorgehen. Häfen europäischer Länder erwerben, Bauland in GOLDLAGEN (direkt an der Elbe in Dresden) aufkaufen, oder das chinesische Procedere beim Ausbau der Neuen Seidenstraße, diese Strategien entsprechen m. E. den allgemeinen Geschäftsmodalitäten des „Wertewesten“. Was meinen Sie ?
    Die neue Seidenstraße krönt Chinas Exporte und Technologien und exportiert auch irgendwie chinesische Überwachungspolitik. Mit der chinesischen Kreditvergabe avanciert China zum Herrn der Ringe. Nebenbei festigt diese Verbindung russisch-chinesische Geschäftsfreundschaft und vergrößert Chinas Einfluß in Europa e n o r m.
    Es handelt sich hier um absolut-(istische) Strukturen wie wir sie original aus dem Stakeholder- Kapitalismus kennen, mit dem kleinen Unterschied zum Kapitalismus : es existiert innerhalb Chinas keine marktwirtschaftliche Konkurrenz. Konkurrenz lehnen die „Libertären“ übrigens auch ab.
    30% der Ukraine befinden sich im Besitz amerikanischer Investoren…und 5% gehören China…..Länderausverkauf all over…und alle Großen und Kleinen sind irgendwie voneinander abhängig….

    • Jochen Mitschka 15. Januar 2026 um 14:41 Uhr - Antworten

      Häfen werden oft nicht gekauft, sondern für 99 Jahre geleast. Und Verstaatlichungsmöglichkeiten mit Wertausgleich ist in den Verträgen meist enthalten. Die Länder sind aber China dankbar, die Infrastruktur zu erreichten, für die sie kein Geld aufbringen.

      „Bauland in GOLDLAGEN (direkt an der Elbe in Dresden) aufkaufen, oder das chinesische Procedere beim Ausbau der Neuen Seidenstraße“ Das sind keine staatlichen, sondern private Aktionen von reichen Chinesen oder Konzernen, die das noch bitter bereuhen werden. Denn nichts im Wertewesten ist vor dem Zugriff des Staates sicher, sobald es zur Krise kommt.

      In Afrika z.B. springt China ein, wenn Länder ihre Kredite nicht zurückzahlen können und übernimmt die Verwaltung, das Management von Häfen oder Bahngleisen, die mit Verlust arbeiten. Und wenn die Entwicklung so weit ist, dass die wachsende Wirtschaft zu einer Kostendeckung führt wird über die Rückübergabe verhandelt. Das hat nichts mit „Imperialismus“ zu tun, sondern mit Wirtschaftsförderung.

      Die ist natürlich nicht selbstlos. Es ist einfach das Gegenprojekt des Westens. Aus dem Kolonialismus kommend, kennt der Westen nur Ausbeutung, während China schon immer ein Land der Händler war, in dem man versuchte, seinen Gewinn so zu ziehen, dass der Partner sich auch weiter entwickeln konnte, weil dann konnte er beim nächsten Mal noch mehr oder Höherwertigeres kaufen. Anders erklärt: Wenn sich Entwicklungsländer industrialisieren, benötigen sie Maschinen und Ausrüstung, die dann China verkaufen kann. Wenn die Entwicklungsländer vermögender werden, können sie mehr und wertvollere Dinge kaufen, und wieder macht China einen Profit.

      Aber um so zu denken, müsste man im Westen die koloniale Mentalität überwinden, und vor allen Dingen die Wirtschafts das schielen auf Quartalszahlen und die Politik die Angst vor der nächsten Wahl.

      • Sabine Schoenfelder 15. Januar 2026 um 16:22 Uhr

        … die Politik die Angst vor der nächsten Wahl“, die existiert in China nicht…😁, da gebe ich Ihnen recht….wie sehen Sie Chinas Tibet-Politik ?
        Wurde Tibet auch zum Wohle Tibets beschlagnahmt ? Um die „Wirtschaft zu
        fördern“ ?
        Sie schreiben :“ Aktionen von reichen Chinesen oder Konzernen, die das noch bitter bereuhen werden. Denn nichts im Wertewesten ist vor dem Zugriff des Staates sicher, sobald es zur Krise kommt.“
        Denken Sie, daß es in China in Notzeiten nicht zum Zugriff des Staates kommen würde, in einem Land, das selbst Geburten regelte ?
        Denke nicht einmal, daß man in China reich wird o h n e den Staat und man ihm dementsprechend verpflichtet ist…..DDR läßt grüßen…
        Ihre aufrichtige Bewunderung für China ist erstaunlich. Unter dem Aspekt des Wohltäters habe ich bislang noch keine Großmacht betrachtet.

  3. Jan 15. Januar 2026 um 10:30 Uhr - Antworten

    Auf einer endlichen Erde ist kein unendliches Wachstum möglich, wie es der Kapitalismus braucht, und wie es die Banken ständig mit dem Lineal aus der Vergangenheit extrapolieren. Dazu kommt, dass die zweite Hälfte der Ressourcen teurer abzubauen ist als die erste, da man zuerst die kostengünstigen produziert.

    Dadurch werden die realen Kosten auf Kredit in die Zukunft verschoben und heute verfrühstückt. Diese kommen zurück in Form von Bankenrettungen, Inflation, Deflation und schließlich Crash. Seit spätestens Piketty 2014 plant man eine autoritäre Planwirtschaft, wie effektiv diese ist, sehen wir bei den Investitionen der Großen Ungewählten in Spritzen und Schneekönig.

    Auf den Finanzmärkten begegnen sich sehr starke, konkurrenzfähige Player, die sich nicht so einfach beseitigen lassen und große Beharrungskraft haben. Sie verschieben ihre Verluste anderswohin. Dies bleibt volkswirtschaftlich ein Nullsummenspiel, aber sie zahlen die Zeche nicht.

    Die Finanzmärkte basieren auf Hoffnung, ähnlich wie ein Fiat-Geld-System. Und diese Hoffnung muss man immer wieder schüren.

    Aktuell glauben die Investoren, wenn durch KI ein großer Teil der Arbeitsplätze entfällt, werde die Wirtschaft wachsen. Das muss man so nicht nachvollziehen können.

    Sicherheitshalber werden überall neue Strohfeuer entfacht. In den Medien werden die Banken schalten, dass Fracking nie aufhören wird und Argentinien das ruinierte Deutschland ersetzen kann und Venezuela das Wachstum ankurbeln wird und bald Gas unter dem ewigen Eis hervorquillt. Jede Menge Blödsinn! Aber die Dumpfbacken werden ihr Geld investieren – und das verschiebt den überfälligen Kassasturz ein wenig.

    Dass zwischendurch eine größere Anzahl von Menschen unter die Räder gerät, stört keinen Großen Geist, und wenn wir die Wahl haben, wählen wir Krieg und Tod, damit Putin zur Räson gebracht werde. Zu jener Räson, die wir selbst längst nicht mehr haben.

    • Sabine Schoenfelder 15. Januar 2026 um 11:24 Uhr - Antworten

      Hallo Jan,
      das ist eine schöne, wenn auch etwas unstrukturierte Beschreibung des Raubtierkapitalismus, der die Welt beherrscht, und der vielschichtig, als multifaktorielle Wirtschaftsform, viele FASSADEN prägt, – m.E. auch in China vertreten ist. Siehe NEUE SEIDENSTRAßE oder die Gründung der BRICS.
      Kapitalismus bedeutet auch Handel, weltweit, ein urmenschliches Anliegen, zeugt Konkurrenz, die zweifellos zu „genötigter“ 😁Verbesserung der Ware führt, zu Vielfalt und Lebensqualität. Vor allem garantiert der Kapitalismus per se freien Handel und Selbstregulierung, denn was nicht gefällt, verschwindet in einer Welt ohne Propaganda….selbst beim E-Auto „klemmt“ es erheblich.
      Raubtierkapitalismus entsteht durch die Gier einiger Weniger 👉 und die bequeme Passivität und Leichtgläubigkeit der oftmals agitierten Bevölkerungen….unter den sogenannten Großmächten existiert hier nur ein ´mehr oder wenigerˋ.
      Ressourcen sind bis ans Ende dieser Welt genügend vorhanden. Das Problem ist deren GEWINNUNG und intelligente Verteilung. Fossile sind nicht endlich, ebensowenig Uran und irgendwann in mittlerer Zukunft wird man das Problem für eine 👉 kontrollierte Kernfusion technisch lösen….bei den Wasserstoffbomben ging es „spontan und explosiv“ ja auch….😂

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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